Mia Graf entwirft hier ein urbanes Panorama aus Ehrgeiz, Verletzlichkeit und aufkeimender Begierde. Ihre Prosa ist klar und elegant, zugleich von einer feinen Wärme durchzogen.
Die Titelgeschichte folgt einer jungen Frau an einem Wendepunkt: Ein Bewerbungsgespräch wird zur Prüfung nicht nur der Qualifikation, sondern auch der Selbstwahrnehmung. Zwischen professioneller Fassade und unausgesprochenen Impulsen entsteht eine Spannung, die den Raum erfüllt. "Respekt", sagt sie - und meint vielleicht mehr, als Worte fassen können.
Die Szene entfaltet sich in Andeutungen und Blicken, in einem Schweigen, das lauter ist als jedes Geständnis. Ein leises Kribbeln bleibt zurück, das Versprechen einer Veränderung. Diese Sammlung verführt durch Subtilität und lässt den Leser mit einer Frage zurück, die sich nicht sofort beantworten lässt.