Eine Live Lesung und ein Gespräch zum Buch "Kartonwand". Darin verarbeitet Fatih Çevikkollu den Tod seiner Mutter, die an einer Psychose litt, und fragt sich, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen den psychischen Problemen und ihrem Leben als sogenannte "Gastarbeiterin" in den 1960er und 1970er Jahren in Deutschland. Die "Kartonwand" steht symbolisch für den Traum vom baldigen Glück in der Heimat: eine ganze Wand aus Kartons, in denen alles verstaut wurde, was schön und wertvoll war - für das spätere Leben in der Türkei. Er beschreibt die Hoffnungen und Enttäuschungen türkischer Arbeitsmigrant:innen, die in Deutschland ständige Abwertung und Ausgrenzung erfuhren, sich nie wirklich zuhause fühlten und deren Kinder als "Kofferkinder" zwischen zwei "Heimaten" aufwachsen mussten. In "Kartonwand" beleuchtet er die langfristigen seelischen Folgen der Arbeitsmigration, die bis heute viele Familien prägen. Ein Thema, das bisher nur in Fachkreisen behandelt wurde und dringend in den Mittelpunkt der Debatten gehört.